Was für eine Katastrophe! Seit Samstag fiel Presseberichten zufolge bislang in gut 40 Fernzügen die Klimaanlage aus. Ich bin ja nun auch nicht gerade 100 Jahre alt, ich kann aber sagen, dass nicht nur in meiner Kindheit sondern auch noch in meinen jungen Jahren eine Klimaanlage ein Fremdwort war. Wir hatten aber ebenso heiße Sommer und keiner fiel in Ohnmacht und musste vom Notarzt behandelt werden. Es ist wohl die Verweichlichung der Menschheit, die keinen Extremen mehr ausgesetzt werden kann.
Ob Kälte oder Hitze, überall wird gestöhnt und gleich zum Arzt gerannt. Meine Oma und auch meine Mutter haben an heißen Tagen Leintücher gewaschen und nass in der Wohnung aufgehängt. Ja so einfach kann man eine Klimaanlage und das sogar ohne Strom, herstellen. Morgens wurde alles gelüftet und ab 11 Uhr waren alle Fensterläden und die Fenster zu. Ganz zu schweigen von den Bauern, die in Bruthitze



In unserer Wegwerfgesellschaft kann sich keiner vorstellen, wie man vor 60 Jahren noch gelebt hat. Eine Altkleidersammlung kannte keiner. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Oma alte Pullover auftrennte und die Wolle zu einem Wollkneul drehte. Es wurde wieder ein neuer Pullover gestrickt. Aus zerissenen Hemden und Blusen hat mir meine Oma eine wunderschöne Rüschenbluse genäht. Wie viel Hausfrauen können sich das heute vorstellen. Aus Nichts etwas zaubern, und das, was da ist, doppelt und dreifach nutzen, das muß die Hohe Kunst dieser Jahre gewesen sein. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es mir an etwas gemangelt hat. Man war damit zufrieden was da war. Schokolade gab es eine Tafel an Weihnachten und zu Ostern braune und rote Zuckerhasen.