Der fast schon vergessene Hunger: Winter 1946/47

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Es gibt heute noch genügend Zeitzeugen, die diese fürchterliche Zeit erleben mussten. Sie erzählen, wie sie Weihnachten verbrachten, wie der Magen dauernd knurrte und die Wohnung kalt war. Meine Schwiegermutter erzählte mir, wie sie im September 1947 ihr Kind ernährt hat. Sie hatte wegen Unterernährung keine Muttermilch und so machte sie flüssigen Kartoffelbrei und gab es dem Säugling.

Hier auch eine Doku die viel erzählt: Winter 1946/47 war die deutsche Bevölkerung ganz unten angelangt. Zwar hatte es schon 1945 und 1946 gravierende Probleme mit der Ernährungslage in Deutschland gegeben. Sie betrafen nicht zuletzt die Vertriebenen aus dem Osten und die Kriegsgefangenen. Die Potsdamer Konferenz der Siegermächte hatte im Sommer 1945 entschieden, der Lebensstandard der deutschen Bevölkerung sei niedrig zu halten. Hilfslieferungen des Roten Kreuzes an das geschlagene Land wurden von den Alliierten untersagt. Im Winter 1945/46 wiesen die Militärbehörden irische und schweizerische Nahrungsmittelspenden ab, die ausdrücklich für Deutschland bestimmt waren, und empfahlen den humanitären Organisationen, ihre Güter in andere bedürftige Länder Europas zu schicken.

Oktober 1946. Europa liegt in Trümmern. Die Sorge der meisten Deutschen gilt dem eigenen Überleben. Sich selbst und die Familie durchbringen – darauf sind alle Anstrengungen gerichtet. Nahrungsmittel sind ein kostbares, rationiertes Gut. In den Geschäften werden sie bereits seit Kriegstagen nur gegen Lebensmittelmarken ausgeteilt – wenn es überhaupt etwas zu verteilen gibt. Hinzu kommt, dass die Aufbauarbeit in den schwer zerstörten Städten nur schleppend vorangeht. Intakter Wohnraum ist knapp. Etwa 20 Millionen Menschen leben in Ruinen, rund 10 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten suchen zusätzlich Zuflucht in den vier Besatzungszonen.

Die Alliierten und die deutschen Länderverwaltungen stehen vor einer schwierigen Herausforderung: Wie können sie die Deutschen durch die kalte Jahreszeit bringen?

Drei große Kältewellen werden im so genannten Hungerwinter 1946/47 in Deutschland registriert. Im Januar 1947 friert in der französischen und britischen Besatzungszone der Rhein auf 60 Kilometern zu. Die Elbe ist komplett vereist. Die Binnenschifffahrt kommt zum Erliegen und damit ein lebenswichtiger Transportweg für Nahrung und Kohle. Viele der bereits durch Unterernährung geschwächten Menschen überleben den „Weißen Tod“, wie sie die gnadenlose Kälte nennen, nicht.

Historiker schätzen, dass allein in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen an den Folgen von Kälte und Hunger sterben. Erfrierungen, Krätze und Hungerödeme sind an der Tagesordnung. Tuberkulose und andere Mangelkrankheiten werden zur tödlichen Gefahr.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fernsehen/im-fernsehen-zum-hunger-trat-der-weisse-tod-1900404.html

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  • Der Nachkriegswinter 1946/47 gehört zu den kältesten des 20. Jahrhunderts. In Mitteleuropa traf er die Menschen mitten in der schlimmen Nachkriegszeit, in der sowieso erhebliche Versorgungsprobleme auftraten. Durch das eisige Wetter wurde der Winter zum Hungerwinter.

    http://www.naturgewalten.de/2winter4647.htm

  • Mein Vater hat diese Zeit auch noch gut miterlebt. Wir können uns dies gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man hungert… jedenfalls mir geht es so. Und das, obwohl es nicht lang her ist. Ich glaube manchmal, dass wir hier in unserer Gesellschaft mehr Bewusstsein dafür entwickeln sollten, wie gut es uns eigentlich geht… Einen ständig vollen Magen, ein warmes zu Hause… ist nicht immer und überall selbstverständlich. Ich bin dankbar dafür. Momentan im Zusammenhang mit den Krisen habe ich die letzten Tage an diese Kriegszeit gedacht (obwohl ja nicht miterlebt (-;) in der Sorge, wie schnell vielleicht so etwas wiederkommen könnte…. Niemand von uns braucht das.